Kinder Raising Voices
Eine Verbindung vom Moritzberg nach Uganda
Ich, Katja Rohde, war in Ostafrika, Uganda (von November 08 bis April 09), um dort für einige Zeit ein Praktikum in einem sozialen Projekt abzuleisten. Mich interessierte vor allem eine andere Kultur, ich wollte wissen, wie man dort lebt und hoffte, Erfahrungen in einem so genannten „Entwicklungsland“ machen zu können. Zuerst war ich sehr geschockt von Uganda - vor allem die Hauptstadt Kampala schien mir viel zu chaotisch, unstrukturiert, überfüllt, dreckig usw. Außerdem ist dort ununterbrochen ein Verkehrschaos, woran ich mich nur schwer gewöhnen konnte. Und es ist dort noch üblich, den Müll zu verbrennen - es stank also nicht selten nach verbranntem Plastik.
Doch die Arbeit dort hat mir sehr gefallen - ich habe in einem straßenkinderprojekt gearbeitet, habe dort in den Slums unterrichtet, im Waisenhaus Kinder betreut und auch selbst viel gelernt.
Unter anderem gefällt mir die Lebenseinstellung - die Ugander scheinen so gut wie nie gestresst und haben oft ein „Urvertrauen“ und meinen „Es wird schon alles gut werden - ich glaube daran“. Oft war ich von dieser Hoffnung fasziniert. Ich denke, es hat auch viel mit dem Glauben zu tun. Was ich allerdings schlimm finde ist, dass viele Menschen weit unter dem Existenzminimum leben müssen und dass dort aufgrund hoher Geburtenrate und niedriger Lebenserwartung sehr viele Kinder leben, die auf sich selbst gestellt sind. Meist landen sie irgendwann auf der Straße und versuchen, dort zu überleben. Noch schlimmer war für mich, dass ich feststellen musste, dass mit dieser Kinderarmut versucht wird, Geld zu verdienen. Es gibt sehr viele soziale Projekte in Uganda, doch ein Großteil der Organisationen ist korrupt. Ich habe von einigen „Pseudo-Projekten“ gehört, d.h. es kommt vor, dass Menschen jahrelang Geld für ein Projekt spenden, was in Wirklichkeit nicht existiert.

Weil ich dies mehr als traurig finde, habe ich noch in Uganda beschlossen, selbst ein straßenkinderprojekt in Kampala zu gründen. Mein Gastbruder war von dieser Idee begeistert und bot mir sofort seine Hilfe an. So entstand unser Projekt „Kinder Raising Voices“. Die ersten Schritte sind getan, wir (Isaac, auf dem Bild der 2. von links, und ich, 8. von links) haben bisher sechs Kinder in unserem Projekt aufgenommen. Wir bezahlen ihnen momentan das Schulgeld, sorgen für Verpflegung und ihre kreative Entwicklung. An den Wochenenden haben wir uns mit den Kindern getroffen und kreative Projekte angeboten. Zurzeit tut dies ein Kunststudent (im Bild ganz links). Außerdem haben wir eine Hühnerzucht aufgemacht und Isaac ist gerade dabei, Gemüse anzubauen, damit wir in der Zukunft weniger Geld für Essen ausgeben müssen und um den Kindern beizubringen, wie man selbst Gemüse anbauen kann. Mein Projektpartner geht regelmäßig in die Slums und unterhält sich mit verschiedenen straßenkindern, geht mit ihnen etwas essen, lernt sie kennen und findet so heraus, was diese Kinder brauchen, warum sie auf der Straße leben und ob sie ihr Leben verändern wollen. Viele Kinder sind in sehr armen Familien geboren worden und die Elternteile sind oft früh verstorben. Meist war kein Geld für die Schulausbildung da und die Kinder mussten für die Familie arbeiten. Wenn sie dazu schlecht behandelt wurden, sind viele von ihnen aus den Familien gegangen, um sich selbst um ihr Leben zu kümmern. Oft sind sie dann nicht älter als neun Jahre.
Uns ist es vor allem wichtig, den Kindern eine Perspektive bieten zu können. Wir wollen ihnen Bildung ermöglichen, damit sie später ein selbst bestimmtes Leben führen können.
Unser Projekt ist bereits in Uganda registriert und ich habe jetzt in Deutschland einen Förderverein „Kinder Raising Voices e.V.“ gegründet, der das Projekt in Uganda finanziell unterstützen soll, damit wir unsere Pläne realisieren können. Denn leider bekommt man von der Regierung in Uganda nur selten Unterstützung. Der Förderverein hat verschiedene Ideen, Spenden zu sammeln - zum einen werden Paten gesucht, die sich bereit erklären, ein bestimmtes Kind monatlich zu unterstützen. Dann werde ich gelegentlich auf Flohmärkte gehen, um dort nicht mehr benötigte Gegenstände zu verkaufen. Auch auf dem Bergstraßenfest wird es einen „Afrikastand“ geben, „Waffeln für Afrika“ werden verkauft und der Erlös geht an mein Projekt in Uganda. Wir wollen auch Spendenpartys organisieren und weitere Menschen motivieren, Ideen einzubringen und/oder selbst eine Spendenaktion durchzuführen.
Im Dezember dieses Jahres werde ich wieder nach Uganda gehen, um das Projekt zu vergrößern, das Kinderheim aufzubauen und um dort mitzuarbeiten.
Im Internet sind wir zurzeit unter: www.myspace.com/kinderraisingvoices zu finden. Bei Fragen oder Anregungen erreicht man uns über E-Mail: Kinderraisingvoices@gmail.com.
Vielen Dank!
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