Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 197 · August 2009
Der Verlag:
Moritzberg Verlag
Unterstützer für die Webversion:
Bäckerei Krone
Anzeigenpreise für die Druckversion:
Anzeigenpreise

Jubiläumsfest des Berggarten e.V.

(sbr) Der „Berggarten“ im Bockfeld feiert vom 14. bis 16. August sein 75-jähriges Bestehen. Er wurde 1934 gegründet - damit ist er einer der ältesten Kleingartenvereine Hildesheims. Die Geschichte des Moritzberger „Grabelandes“ westlich des Krehlabergs lässt sich aber viel weiter zurückverfolgen. Eine „Charte der Hildesheimer Stadtjagd“ im Stadtarchiv gibt hier schon für 1832 Gartenland an, während darüber am Rottsberghang Äcker lagen. Lerchen-, Rotts- und Finkenberg waren damals noch ohne Wald - dort wie auch auf dem Krehla war das Weideland für Moritzberg und die umliegenden Gemeinden.
Für das Grabeland hinter dem Krehlaberg, das heutige Berggarten-Gelände, liegt der Redaktion eine Pachtbescheinigung für Oktober 1929 bis 1935 vor: Ein Arbeiter aus der Pippelsburg hatte im Bockfeld, Flurbezeichnung „Untere Wanne“, 697 Quadratmeter „klösterliches Grundstück“ vom „Kloster-Rentamt Hildesheim“ gepachtet. Die Kleingartenkolonie Berggarten gab es noch nicht, die Gartenpächter verhandelten einzeln mit dem Eigentümer des Gartenlandes. Am 1. Februar 1937 schloss der derselbe Gartenfreund dann seinen Pachtvertrag mit der „Stadtgruppe Hildesheim der Kleingärtner im Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsiedler Deutschlands e.V.“ ab. Sein Garten, jetzt nur noch halb so groß wie 1935, gehörte nun als Nr. 76 zur neu gegründeten Kleingartenkolonie im Bockfeld und die war Mitglied in der 1936 gegründeten Stadtgruppe der Kleingärtner.

Foto: Sabine Brand
Der Berggarten e.V. auf traditionellem Moritzberger Grabeland feiert Mitte August sein 75-jähriges Bestehen
Foto: Sabine Brand

1942 wurden die Beiträge für die Mitgliedschaft in der „Kolonie Berggarten e.V.“ durch Marken des Reichsbundes der Kleingärtner mit Adler und Hakenkreuz quittiert. Eine gedruckte Satzung des Berggarten e.V. legte unter anderem fest: „Mitglied kann nur werden, wer reichsdeutscher arischer Abstammung ist.“ Der „Vereinsleiter“ wurde nicht von den Mitgliedern gewählt, sondern „nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des zuständigen Hoheitsträgers der NSDAP“ vom Bezirksgruppenleiter ernannt. Und nach mehr als dreimaligem unentschuldigten Fehlen bei den vorgeschriebenen fachlichen Schulungen und „sonstigen angeordneten Pflichtveranstaltungen“ erlosch die Mitgliedschaft im Kleingartenverein. Im Februar 1946 - während der englischen Besatzungszeit - erhielt der Pächter des Kleingartens Nr. 76 eine „Identity Card“, einen Gartenausweis auf Englisch. Spätestens 1949 gab es dann den Mitgliedsausweis auf Deutsch.
Auf dem traditionellen Grabeland hinterließen die Zeitläufe andere Spuren: In der Vorkriegszeit wurde nach dem Jauche-Ausbringen aus den heimischen Plumps-Klos noch das jährliche „Jauchefest“ gefeiert, in der Nachkriegszeit wurde Tabak angebaut.
Das Jubiläumsfest zum 75-Jährigen des Berggarten e.V. beginnt am Freitag, dem 14. August, im Festzelt vor dem Vereinsheim Im Bockfelde 44/45 um 18 Uhr mit einem Festkommers. Für Samstag, den 15. August, ist ab 15 Uhr ein Kinderfest mit Ponyreiten geplant. Ab 19 Uhr wird zu Musik, Tanz und Unterhaltung eingeladen. Am Sonntagmorgen feiert die Christuskirchengemeinde den 10-Uhr-Gottesdienst aus Anlass des Vereinsjubiläums nicht in der Kirche, sondern im Vereinsgarten Nr. 22. Danach treffen sich die Gartenfreunde zum Frühschoppen mit Imbiss im Festzelt.

© 2009 | Impressum | Kontakt