Orte für Kinder schützen
(sbr) „Wer sich am meisten in der Stadt aufhält, sollte am meisten gefragt werden“, erklärte Stadtbaurat Dr. Brummer zum Sinn und Zweck der Infoveranstaltung zur Spielleitplanung in den Modellbereichen Moritzberg, Michaelisviertel und Oststadt. „Spielleitplanung“ ist das Stichwort für eine Stadtentwicklung, die speziell die Interessen von Kindern, Jugendlichen und Senioren im öffentlichen Raum berücksichtigt. So wie Schutzzonen für Bäume, Pflanzen und Tiere eingerichtet werden, soll es auch Schutz für die Bereiche geben, in denen Kinder spielen, Jugendliche abhängen und Senioren sich treffen. Eine Auftaktveranstaltung im Kreishaus stellte dies Projekt Mitte März vor.

„Ich wünsche mir, dass heute so gesprochen wird, dass die Kinder das verstehen“, beschloss Brummer seine Begrüßung. Das fiel nicht jedem der folgenden Referenten leicht - nach mehr als einer Stunde voller Infos und Präsentationen konnten die kleinen Gäste, um die es eigentlich ging, sich bewegen und in Aktion treten. Das Planungsbüro „Stadt-Kinder“ hatte für jeden der drei Hildesheimer Modellbereiche Pläne und Tafeln vorbereitet, an denen man seine Wünsche und Bewertungen eintragen konnte: Halte ich mich an diesem Ort gern auf oder ist er unangenehm und gefährlich? Was fehlt in meinem Viertel für meine Altersgruppe? „Ein Platz zum Fußballspielen“, findet Liam. Er hat auf dem Sportplatz Pappelallee gespielt, bis der geschlossen wurde. In seinem Umfeld an der Maschstraße gibt es bislang keine Alternative. Das Bolzen auf dem Spielplatz Maschstraße bringt Ärger mit den Anwohnern und Stress für die Kleinen, die dort spielen.

„Die Jugendlichen stören“, beschweren sich Mädchen der Grundschule Pfaffenstieg. Sie fühlen sich durch die Großen verdrängt, die im Freien kaum Orte für sich haben und deshalb gern auf die Spielplätze ausweichen. „Der nördliche Zipfel des Phoenixgeländes wäre ein idealer Platz zum Fußballspielen und zum Treffen für Jugendliche“, schlägt ein erwachsener Besucher der Veranstaltung vor. „Auf dem Spielplatz Maschstraße wären dann die Kleinen unter sich - unter den Augen der Mütter in den umliegenden Häusern.“bild3Der Spielplatz Maschstraße ist seit Jahrzehnten vernachlässigt, doch für viele Kinder der Nachbarschaft der einzige Ort im Freien, wo sie gefahrlos spielen können. Das Planungsbüro „Stadt-Kinder“ hat den Spielplatz jetzt ins Visier genommen. Bei einem gemeinsamen Streifzug Mitte März hatten die Moritzberger Kinder ihn negativ bewertet. Das Gartenamt der Stadt Hildesheim wird demnächst die Feinarbeit zur Neuplanung dieses Spielplatzes angehen - zusammen mit den Kindern aus den angrenzenden Straßen. Das Stadtumbau-Förderprogramm bietet die finanziellen Möglichkeiten zur Neugestaltung.
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