Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 205 · Mai 2010
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Blau-Weiß unter Druck

(sbr) „Gleiche Möglichkeiten für den Sport wie bisher“ forderte Roland Lemke, Vorsitzender der DJK Blau-Weiß, als der Druck zum Umzug von der Pappelallee in die Lucienvörder Allee massiv wurde. Seither ist mehr als ein Jahr vergangen. Die Sportplätze an der Pappelallee wurden wegen der Dioxinbelastung ihres roten Belags geschlossen, Blau-Weiß zog auf den Platz des Gehörlosen-Sportvereins bei Vier Linden um. Der Rex-Brauns-Platz an der Pappelallee ruht - das Planungsbüro ANP in Kassel arbeitet im Rahmen des Stadtumbau-Projekts Vorschläge für seine zukünftige Nutzung aus.

Ein schöner leerer Platz - Blau-Weiß ist auf den Gehörlosen-Sportplatz umgezogen, gute Trainingsbedingungen sind aber noch längst nicht geschaffen

Ist der Sportverein Blau-Weiß nach dem Umzug wider Willen zufrieden mit dem neuen Zuhause? „Wir haben einen leeren Platz, sonst nichts“, erklärt Roland Lemke. „Der Gehörlosen-Sportplatz wäre schön, wenn alles in Ordnung wäre - von gleichen Möglichkeiten wie bisher kann nicht die Rede sein.“ Der Platz an der Lucienvörder Allee hat keine Flutlichtanlage - Flutlicht wird im Winter zum Fußballtrainig in den Abendstunden und von den Leichtathleten dringend gebraucht. Das Klubhaus auf dem neuen Sportplatz kann Blau-Weiß nicht nutzen - für den Gehörlosen-Sportverein, der auf Dauer ein Klubhaus, ohne Sportplatz, behalten möchte, ist noch kein Ersatz gefunden. Die Blau-Weiß-Sportler und der Vereinsvorstand sind deshalb nach wie vor auf ihr Klubhaus an der Pappelallee angewiesen. Die räumliche Trennung von Sportplatz und Vereinshaus schafft organisatorische Probleme, das Vereinsleben leidet darunter. Am Getränkewagen, der von der Brauerei für den neuen Platz zur Verfügung gestellt wurde, war es für die Sportler im Winter recht kalt. Zudem fallen Pachtzahlungen des Gastwirts am Rex-Brauns-Platz an den Verein aus.

Fotos (2): Sabine Brand
Die Masten für die Flutlichtanlage sind geliefert - ohne Licht fiel im Winter ein Teil des Trainings aus
Fotos (2): Sabine Brand

Ein weiteres Handikap: Blau-Weiß hat zwar die Umkleide- und Waschräume an der Lucienvörder Allee vom Gehörlosen-Sportverein anmieten können, eine Trennung in Räume für Männer und Frauen ist aber nicht möglich. Das geht zu Lasten der Mädchen- und Frauenmannschaften. Die Tennissportler spielen bis Ende der Saison im Sommer 2010 noch auf ihrem - nicht dioxin-belasteten - Platz an der Pappelallee. Sie wären auf dem neuen Platz am stärksten benachteiligt, denn für sie gibt es noch gar keine Umkleideräume.

Schließlich fehlt bei Vier Linden noch immer der zweite Sportplatz. Er wurde von der Stadt versprochen, um gleiche Möglichkeiten wie vor dem Umzug zu schaffen. Dieser Platz muss komplett neu erstellt werden mit Unterbau, Belag und Flutlichtanlage - bislang ist er grüne Wiese.

„Der Umzug kann eine gute Sache werden, wenn ...“ sagt Lemke und zählt die bürokratischen Hürden und langwierigen Prozesse auf, die noch gemeistert werden müssen. Die Baugenehmigung für die Flutlichtanlage traf Ende April ein. Die Stadt zahlt die Kosten für die Errichtung, Blau-Weiß ist Bauherr und muss sich nun um die Prüfung des Untergrundes für die Lichtmasten kümmern. Positiv wertet der Vorsitzende die finanzielle Unterstützung durch die Stadt Hildesheim auch bei der Installation einer Wasserleitung am Vereinshaus und für die Herrichtung der Umkleideräume. Die Zusage der Stadt zur Kostenübernahme für die Schaffung des zweiten Platzes steht aber noch aus - im städtischen Haushalt für 2010 ist sie eingeplant. Ein besonderer Balanceakt ist die Suche nach einem Ersatz-Vereinshaus für den Gehörlosen-Sportverein: Was den Vereinsmitgliedern gefällt, ist unter Umständen der Stadt zu teuer.

„Die Zeit drängt“, betont Roland Lemke. Ihn setzt der Mitgliederschwund bei der DJK Blau-Weiß unter Druck. Seit die Debatte um den Umzug des Vereins begann, innerhalb der letzten drei bis vier Jahre, sind über 300 Mitglieder ausgetreten - vorwiegend Erwachsene, aus Protest gegen den Umzug und seine Umstände.

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