Vier Linden, Vier Pappeln ...
(sbr) „Vier Linden“ heißt das Gebiet an der Alfelder Straße zwischen der Lucienvörder Allee und dem Domfriedhof. Es wurde so benannt, weil an der Weggabelung vor dem Veranstaltungshaus einmal vier Linden standen1. Hier war die alte Stadtgrenze nach Ochtersum. Der Gasthof „Vier Linden“ hat sich den Namen von dieser Ortsbezeichnung ausgeliehen – bei den Vier Linden ließ man die Stadt hinter sich oder, anders herum, dort kam man in die Stadt hinein.

Nicht so bekannt ist „Vier Pappeln“ – auch ein Grenzort, ein Straßenstück, auf dem man die Stadt in Richtung Süden verließ, und zwar an der alten Stadtgrenze nach Neuhof am Ende der Steinbergstraße, dort wo früher die Neuhofer Straße anfing und seit 1961 die Robert-Bosch-Straße beginnt. „Vier Pappeln“ ist genau der Ort an der Brücke über die Trillke, wo die Fahrstraße unterhalb dem Steinberg in Richtung Westen nach Neuhof abbiegt. Geradeaus führt ein Feldweg am Waldrand weiter, an seinem Anfang ist ein kleiner Parkplatz angelegt. Dieser Parkplatz ist der letzte Rest der alten Steinbergstraße aus der Zeit vor der Entschärfung der Kurve nach Neuhof und vor dem späteren großzügigen Ausbau in den 1960er Jahren. Dort ist auch noch das alte Brückengeländer zu sehen, an dem die Straße früher die scharfe Kurve über die Trillke nach Neuhof nahm.
Hier standen vier Pappeln – zwei rechts und zwei links der Straße, erinnerte sich Bernie Bartels beim Straßenfest am Neuen Teiche 2010. Anders als bei Vier Linden ist der Name des Ortes aber fast vergessen. Der Heimatforscher Heinrich Kloppenburg nutzte ihn öfters um 1933: „Die Straße von den Vier Pappeln bis zur Waldquelle und von dort die Tiefe Straße (heute Steinbergstraße) bis zur Alfelder Straße ist ... erst 1844 fertiggestellt“, schrieb er über eine „vergessene alte Heer- und Handelsstraße“2. Diese führte viele Jahrhunderte früher – und zwar vor der Anlage des „Neuen Teiches“ um 1380 – als bedeutende Nord-Süd-Handelsstraße und Vorläufer der B 6 über den Roten Berg nach Diekholzen und Marienrode, von dort über das Trillke-Gut zum Moritzberg und weiter nach Himmelsthür und Drispenstedt Richtung Norden. Sie hatte nicht exakt denselben Verlauf wie die Steinbergstraße, passierte aber anscheinend die Orte „Vier Pappeln“ und „Waldquelle“.

Der Name „Vier Pappeln“ könnte aus der Zeit um 1844 stammen, als die Steinbergstraße angelegt wurde – Moritzberg und Hildesheim gehörten damals zum Königreich Hannover. Stadtarchitekt Gothe verwendete die Bezeichnung „Vier Pappeln“ noch 1955, als er beschrieb, dass im Jahr zuvor „der Durchlaß bei den 4 Pappeln (vor Neuhof) vergrößert“ wurde.3 Nicht der Straßenverkehr, sondern die Trillke erhielt damals einen erweiterten Durchlass unter der Straße hindurch.
Nicht bekannt ist bislang, wie lange die letzten der „Vier Pappeln“ standen – vielleicht können die Leser uns helfen.
Vier Linden, Vier Pappeln – diese Orte haben Gemeinsamkeiten, die wohl kein Zufall sind. Beide Male findet sich eine Weggabelung und beide Male eine Ausfallstraße an der Stadtgrenze. Die Bäume markieren eine wichtige Stelle, eine Grenzlinie. Sie bilden eine Art Eingangstor für die Stadt, könnte man meinen.
Wie sah es im Norden des Moritzbergs aus, wo die wichtigste Durchgangsstraße – der Vorläufer der B 1 – in den Bergflecken hineinführte oder ihn in Richtung Westen verließ? Eine Karte von 1842/43 4 zeigt – überraschend – eine bekannte Situation kurz hinter der Kurve der Elzer Straße nach Westen, genau an der Gemarkungsgrenze zwischen Moritzberg und Himmelsthür, etwa auf Höhe der heutigen Ausfahrt von der B1 stadteinwärts auf die Elzer Straße und Zierenbergstraße: Dort, wo die Subeeke offen unter der Elzer Straße hindurchfloss, sind vier Bäumen eingezeichnet, je zwei links und zwei rechts der alten Reichsstraße. Das heutige Haus Nr. 77, das erste auf der Nordseite der Elzer Straße hinter ihrem Knick nach Westen, hätte genau vor diesem Tor aus Bäumen gestanden, auf Himmelsthürer Gebiet.

Dieselbe Situation wie bei den Vier Pappeln: Eine Ortsgrenze, die an einem Bach entlang verläuft, und eine Ausfallstraße, die Bach und Grenze überquert – und dieser Grenzort ist durch vier große Bäume markiert. Was für Bäume es an der Elzer Straße waren, ist allerdings schwer zu sagen: der Zeichnung der Karte zufolge Linden oder Pappeln möglicherweise – auf jeden Fall recht hohe Bäume und dadurch weithin sichtbar. Heute stehen in der Nachbarschaft dieses Ortes sehr schöne, mächtige alte Weiden. – „Vier Weiden“ also als neue / alte Ortsbezeichnung?
Quellen
1 Erich Heinemann: Ich kann nicht ohne Andacht in ihre Kronen sehn .... In: Hildesheimer Heimat-Kalender 1974
2 Heinrich Kloppenburg: Eine vergessene Heer- und Handelsstraße, in: Aus der Heimat, HiAZ-Beilage 23.12.1933, S. 47
3 A.C. Gothe: Hildesheim im Wiederaufbau in den Jahren 1953/54, in: Allgemeiner Heimat-Kalender 1955 für Stadt und Land, Hildesheim 1955, S. 52
4 „Karte der Gemeinheiten, der Privat- u. Koppelhude mit Himmelsthür vor Moritzberg“ 1842/43, Amt für Agrarstruktur Hannover: Marienburg 114