Maschstraße und Pippelsburg
Altes Quartier ganz neu
(sbr) Wer hätte das vor zehn und noch vor drei Jahren gedacht? Die Maschstraße und die Pippelsburg werden zur beliebten Hildesheimer Wohngegend, zur Top-Adresse für das Wohnen zur Miete mit gehobenem Standard. Die GBG baut diese bislang vernachlässigte Ecke des Moritzberges seit 2009 um: Bis 2013 werden sämtliche GBG-Häuser an der Maschstraße (von der Einmündung der Pippelsburg bis vor die Wendeschleife) entweder grundlegend modernisiert oder abgerissen und neu gebaut. An der Pippelsburg wird zur Zeit eine Wohnanlage fertig gestellt, die höchst komfortabel ausgestattet ist. Das ehemalige Aschenputtel von Moritzberg mausert sich. Es erhält ein neues Gesicht, dadurch wird es städtebaulich wie auch sozial aufgewertet.

Ins Rollen gekommen ist diese Entwicklung durch den Umbau des Phoenixgeländes. Schon im Dezember 2005, als der preisgekrönte städtebauliche Entwurf für die Industriebrache öffentlich vorgestellt wurde, warnte ein Bürger: Das geplante Phoenix-Neubauviertel könnte durch den Kontrast zur benachbarten Maschstraße und Pippelsburg soziale Spannungen zur Folge haben. Die GBG (die alte „Gemeinnützige“), eine hundertprozentige Tochter der Stadt, übernahm die Verantwortung und Initiative und entwickelte ein umfangreiches Bauvorhaben zur Aufwertung der alten Arbeitersiedlung hinter der Gummifabrik.
Zunächst wurden im Winter 2007/2008 die Wohnblocks der 1920er und 1930er Jahre an der Elzer Straße saniert. Ihre Gärten grenzen an die hintere Maschstraße, die alte „Gartenstraße“ von Moritzberg – so hieß sie bis zur Eingemeindung nach Hildesheim. Nach Jahrzehnten der Hinterhof-idylle mit Teppichstangen sind diese Gärten jetzt eine Augenweide für Passanten und Bewohner der Maschstraße.
Der lange vernachlässigte Spielplatz an der Maschstraße – die öffentliche Grünanlage in der Verlängerung der Gärten – ist seit dem Winter 2010/11 im Umbruch. Die marode Betonkonstruktion der 50er Jahre ist komplett beseitigt. Mit den Kindern der Nachbarschaft und mit Geldern aus dem Programm Stadtumbau West wurde die Planung für die neue Gestaltung und Möblierung des Spielplatzes angegangen. Die offizielle Eröffnung wird vor den Sommerferien sein.
Die GBG-Wohnblocks in der Maschstraße aus den 1950er Jahren waren im nächsten Schritt an der Reihe. Aus drei Wohnungen in einem Geschoss wurden zwei gemacht. Bis 2013 wird die GBG alle zur Erhaltung vorgesehenen Häuser entkernen, neu aufteilen und modernisieren. Fassadendämmungen, neue Bäder und neue Balkone bieten einen guten Standard für die Ansprüche an modernes, energieeffizientes Wohnen. Zur Zeit ist die Maschstraße Nr. 63 – mit einer Solaranlage auf dem Dach – in Arbeit.

Die früher durchgehende Häuserzeile in diesem Bereich der Maschstraße ist jetzt durchbrochen: Zwischen den Nummern 64 und 65 ist durch einen Abriss ein Durchgang zum Innenhof zwischen den Neubauten an der Pippelsburg geschaffen. Später wird man von hier bis an den Kupferstrang laufen können. Das Eckhaus an diesem Fußweg nach Osten ist ähnlich gestaltet wie das Eckhaus Maschstraße 68 Ecke Pippelsburg. Beide Neubauten sind von den Planern als städtebauliche Dominanten gesetzt – durch Höhe, Dachform und moderne Fassadengestaltung prägen sie die Nachbarschaft und geben dem ganzen Viertel ein anderes Gesicht.
Hinter den neuen, recht komfortablen Wohnungen in der Maschstraße für Mieter, die sich Wohnungspreise im mittleren Bereich leisten können, folgt nach Osten höchst Komfortables zum hohen Mietpreis: Das neue Eckhaus Maschstraße 68 ist bereits seit September 2009 bewohnt, die daran anschließenden Neubauten Pippelsburg 1 – 3 sind soeben frisch bezogen. Die neueste Wohnanlage hat 23 neue Wohnungen mit Balkons oder Terrassen um eine schön und praktisch gestaltete Grünanlage. Parallel zu dem Nord-Süd-Fußweg durch diese Grünanlage verläuft eine Mulde, die zeitweise zu einem kleinen Teich werden kann, wenn sie über Rigolen das Regenwasser von den Dächern der Neubauten aufnimmt. Das Wasser versickert hier auf dem Gelände – das ist umweltfreundlich und bietet interessante Spielmöglichkeiten.
Die Zwei- bzw. Drei-Zimmer-Wohnungstypen in dieser Wohnanlage reichen von „klassisch“ über „elegant“ bis „exklusiv“. Die Preise sind gediegen – der Komfort aber auch: Fußbodenheizung, bodengleiche Duschen und zusätzliche Badewannen, schwellenlose Zugänge und Raummaße, die auch Umrüstungen für Rollstuhlfahrer ermöglichen, sind Standard. Die Häuser haben Tiefgarage, Fahrradraum und Aufzug und bestechen durch geringere Energiekosten als üblich – „das Modernste, was der Mietwohnungsbau zu bieten hat“, beschreibt Frank Satow, Pressesprecher der GBG.

Die Neubauten sind mit Solaranlagen zur Brauchwarmwassererzeugung und mit Luftwärmepumpen ausgestattet. „Es gibt bisher kein Mietshaus, das weniger Energie verbraucht – selbst die Wärme der in der Tiefgarage abgestellten Autos wird bei uns genutzt“, erklärt Wolfram Poppenhäger, technischer Prokurist bei der GBG, mit Stolz. „Unser Endenergiewert liegt bei 2,5 Litern, im Schnitt liegt dieser Wert heute bei 9 Litern, früher lag er bei 16.
Die Zahl der GBG-Wohnungen im Bereich Maschstraße/Pippelsburg hat sich durch Umbau, Abriss und Neubau von 276 auf 240 verringert, die durchschnittliche Wohnungsgröße ist von 57 auf 67 Quadratmeter gestiegen. „Eine gute Durchmischung der Bewohnerstruktur“ strebt die GBG mit der Umgestaltung des Wohnviertels an. Hier soll eine Nachbarschaft entstehen, die durch ihre soziale Ausgewogenheit ein verträgliches Wohnumfeld schafft – niedrige und höhere Einkommen nebeneinander. Die Rechnung scheint aufzugehen, die Neubauten von Maschstraße 68 und Pippelsburg 1 – 3 waren sehr schnell vermietet. Etwa 75 Prozent der Bewohner, schätzt Poppenhäger, sind in ihrem Wohnquartier geblieben, 12 Prozent sind Neuzuzüge. Die alte Dame, die wegen den Mietpreissteigerungen in den sanierten Häusern nach 50 Jahren ihre Nachbarschaft verlassen musste und ins Altenheim zog, dürfte ein Einzelfall sein.
Bis 2013 will die GBG ihren Stadtteilumbau abschließen. Druck macht nun der Zustand in der unmittelbaren Nachbarschaft der Pippelsburg auf dem nördlichen Teil des Phoenixgeländes. Die Wohnbebauung dort wird noch eine Weile auf sich warten lassen. Der Ausblick auf die Schuttberge – die Trümmer und den Erdaushub vom vorderen Teil des Grundstücks mit dem neuen Einkaufszentrum – ist auf Dauer hässlich. Hier soll eine „Landschaft auf Zeit“ entstehen, ein bis zur Bebauung provisorisches Grüngelände, das die größeren Kinder der Nachbarschaft für die Freizeit nutzen können. Außerdem muss der Fuß- und Radweg den Kupferstrang entlang fertig gestellt werden – und die umweltbewussten Anwohner des alten Kerns von Moritzberg warten mit Sehnsucht auf die zugesagte Unterquerung der B 1.
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