Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 245 · Februar 2014
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Moritzberg Verlag
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Die Dingworthstraße im Dauerstress

(sbr) Seit Öffnung der Pappelallee im Sommer 2011 für den Verkehr von der Schützenwiese zur Elzer Straße hat sich der Verkehrsfluss am Moritzberg deutlich verändert. Die neuen Märkte auf dem Phoenix-Gelände ziehen motorisierte Kunden an, die früher eher nicht am Fuß des Moritzbergs einkauften. Die auffälligste Veränderung, so berichten aufmerksame Anwohner, hat aber wohl nichts mit den Märkten zu tun. Sie wird durch Autofahrer produziert, die nicht einkaufen, sondern durchfahren: Von der Schützenwiese in die Elzer Straße und auf den Krehlaberg macht das Sinn und entlastet den längeren Verkehrsweg über Dammtor, Bergsteinweg, Dingworthstraße.
AutoverkehrNie zuvor floss tagsüber durch die Dingworthstraße so viel Verkehr, der hier kein Ziel hat, sondern nur durchfährt.
Zahlreiche Wagen biegen nach der Fahrt durch die Pappelallee aber nach links, nach Süden in die Dingworthstraße ab. Sie fahren am Güldener Löwen geradeaus, rauschen in hohem Tempo durch die Königstraße und sind in Windeseile auf der Steinbergstraße und hinter der Waldquelle unterwegs – freie Fahrt von der Schützenwiese zur Waldquelle, mindestens zwei Ampeln gespart. Die Strecke ist eine attraktive Alternative zur Fahrt über das Dammtor, die Alfelder Straße und den Abzweig Steinbergstraße geworden. Als drittes Hindernis auf diesem traditionellen Weg in den Hildesheimer Westen wird unter Umständen noch die Bedarfs-Fußgängerampel an der Küchenthalstraße eingespart. Auch in der umgekehrten Richtung wird die Rennstrecke durch Königstraße und Dingworthstraße immer öfter genutzt, um ohne Ampel über die Pappelallee bis kurz vor die B 1 zu gelangen. Die Zeiten, zu denen man in der Dingworthstraße neuerdings im Stau stehen kann, weisen auf Arbeitsbeginn und Arbeitsschlusszeiten in größeren Betrieben hin.

Besonders störend wirkt der wachsende Verkehrsstrom in der Dingworthstraße. Die alte Moritzberger Einkaufsstraße sollte eigentlich – nach Vorhersage des damals planenden Stadtbaurats Kulenkampff – vom neuen Phoenix-Einkaufszentrum profitieren. „Konkurrenz belebt das Geschäft“ war die offizielle Behauptung. Den optimistischen Erwartungen zum Trotz hat sich der Fußgängerverkehr in der Dingworthstraße – vor allem durch den Umzug des „Penny“-Marktes – deutlich verringert. Der motorisierte Verkehr ist hingegen viel mehr geworden.

„Zu viele Wagen sind zu schnell unterwegs“, fasst der Inhaber des „Gemüselädchens“ zusammen. „Man kann nicht mehr eben mal über die Straße gehen, nicht einmal rüberrufen zu den Geschäftsnachbarn – es ist zu laut geworden.“ „Nachts ist es im Schnitt deutlich ruhiger geworden,“  empfindet Marianne Kopper, langjährige Inhaberin der „Vitrine“ und Anwohnerin, „sogar die Buslinie 1 fährt dann durch die Pappelallee. Aber am Tag ist es katastrophal – wer nicht gut zu Fuß ist, kommt nicht über die Straße.“

Wenn die Fußgängerampel am Anfang der Phoenixstraße auf Rot steht, staut sich der Verkehr zu bestimmten Zeiten die gesamte Dingworthstraße entlang. „Dann steht bei mir vor der Tür der Stadtbus im Stau“, sagt Uwe Baranski im „Gemüselädchen“. „Das ist früher nie vorgekommen.“
VerkehrDie neue Phoenixstraße macht es möglich: Sie verleitet den Durchgangsverkehr zur Umgehung der Ampeln an der Alfelder Straße
Fotos (2): sbr
Für die Dingworthstraße bedeutet diese Entwicklung eine weitere Verschlechterung – zu laut und zu gefährlich, hier hält man sich nicht gern auf. Schlechte „Aufenthaltsqualität“ mit den Worten der Planer, das bedeutet weniger Kunden für die kleinen Geschäfte. Der Traum vom entspannten Bummeln von Geschäft zu Geschäft, der Mitte der 1990er mit der Diskussion um die Dingworthstraße als Fußgängerzone aufkam, ist in weite Ferne gerückt. Auch kleine Verschönerungen, „Möblierungen“, Bäume – wenn sie denn stehen gelassen würden – helfen bei diesem Durchgangsverkehr nicht.

Verkehrszählungen, Geschwindigkeitsmessung, Tempo 30 in der Dingworthstraße, ein Kreisel an der Kreuzung Königstraße / Mittelallee – mit einigen Vorschlägen könnte der Ortsrat sich in nächster Zeit befassen. „Alarm für die Dingworthstraße“ schlug Moritz vom Berge auf seiner Titelseite schon im Juli 2000. Um den richtigen Plan zum Erhalt des traditionellen Moritzberger Geschäftszentrums geht es seit über 30 Jahren – ein zweites modernes Märktezentrum daneben zu stellen war die Rettung jedenfalls nicht.
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