Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 250 · Juli / August 2014
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St. Mauritius wird Mittelpunkt einer Großgemeinde

(sbr) Am 1. November werden drei katholische Pfarrgemeinden im Hildesheimer Westen mit vier Kirchen zu einer einzigen neuen Pfarrgemeinde zusammengeführt. Dazu gehören St. Mauritius auf dem Moritzberg und St. Michael in Marienrode/Neuhof, die schon jetzt einen Gemeindeverbund bilden. Hinzu kommt die St. Alfried-Gemeinde Ochtersum mit der schon länger zugehörigen Filiale St. Nikolaus in Barienrode. Diese Gemeinden bilden in Zukunft eine Großgemeinde mit nur einem Pfarrer. Das steht seit über sechs Jahren fest. Hintergrund ist der Priestermangel im Bistum Hildesheim; dem wird mit Veränderungen begegnet, die seit gut zehn Jahren in Entwicklung sind.
ProzessionFronleichnamsprozession durch das Berghölzchen – das wird es auch in Zukunft geben, wenn die Mauritiusgemeinde zu einer Großpfarrei mit vier Kirchen gehört
Fotos (2): sbr
Die neue große Pfarrgemeinde wird St. Mauritius heißen, ihr Mittelpunkt wird die Mauritiuskirche als Pfarrkirche sein. Das steht erst sei Mitte Januar 2014 fest. Die Gemeinden St. Mauritus mit St. Michael sowie St. Altfried mit St. Nikolaus sind ungefähr gleichgewichtig. Zwar wird Ochtersum vom bischöflichen Generalvikariat als „prosperierender Stadtteil“ eingeschätzt, aber Bischof Norbert Trelle hatte mit Zustimmung des Priesterrates doch die Mauritiuskirche als Pfarrkirche der Großgemeinde ausgewählt – aufgrund ihrer Geschichte, wegen ihrer Architektur und der alten Strukturen der Kirchengründungen im Bistum Hildesheim.

„Diese Kirche ist in besonderer Weise mit den Bischöfen Godehard und Hezilo verbunden“, begründet Trelle. Der eine hatte die Mauritiusverehrung zum Moritzberg gebracht (lateinisch „Maurititius“ heißt auf Deutsch „Moritz“) und starb auf dem Berge. Der andere hatte die Mauritiuskirche bauen lassen und wurde in ihr begraben. „In ihrem architektonischen Gesamtkonzept gehört sie zu den besonderern Kleinodien des Bistums Hildesheim.“ Bischof Norbert Trelle zeigt mit seiner Entscheidung für die Mauritiuskirche, was er als wahren „Schatz“ empfindet: nicht die wirtschaftliche Blüte eines Stadtteils, sondern seine geschichtliche Bedeutung und deren Betonung und „Krönung“ durch einen harmonischen Bau für den Gottesdienst, für die Verbindung nach oben.
ProzessionDer Pfarrer der neuen Großgemeinde muss stärker als bisher durch ehrenamtliche Mitarbeiter vertreten werden
Weil St. Mauritius der Mittelpunkt der neuen Großgemeinde sein wird, ist auch das zentrale Pfarrbüro hier: Bergstraße 57, dort wo bislang das Büro der „kleinen“ Mauritiusgemeinde ist. Dr. Willy Manzanza, bislang Pfarrer von St. Mauritius, wird auch Pfarrer der Großgemeinde sein. Schon vor dem 1. November wird der Pfarrer von St. Altfried in Ochtersum versetzt, so dass Manzanza allein für die Messen in den vier Kirchen und die Seelsorge in den drei Gemeinden zuständig ist. Für St. Mauritius gibt es deshalb schon nach den Sommerferien eine neue Gottesdienstordnung – mit zweifellos weniger Messen als bisher.

Die betroffenen Gemeinden haben sich längst miteinander angefreundet, seit sechs Jahren arbeiten sie zusammen, um die Fusion in gute Bahnen zu bringen. Als „Ortsgemeinden“ werden sie innerhalb der großen Pfarrgemeinde St. Mauritius eine gewisse Eigenständigkeit behalten. Ein Lokales Leitungsteam von engagierten Gemeindemitgliedern auf dem Moritzberg ist schon jetzt beauftragt, die vielen Gemeindeaktivitäten vor Ort – insgesamt über 30 Initiativen – zu koordinieren und den Pfarrer zu entlasten. Die Einbindung des Kindergartens und die Verwaltung des Friedhofes sollen wie auch die Belegung des Pfarrheims weiterhin vor Ort organisiert werden und nicht durch das zentrale Pfarrbüro der Großgemeinde. Keinesfalls soll die Vielfalt der Initiativen vor Ort eingeschränkt werden – im Gegenteil, die seelsorgerische Arbeit soll bei der Neuordnung der Gemeinden gestärkt werden durch vermehrte Einbeziehung der Gemeindemitglieder. Viele Angelegenheiten, auch pastorale, müssen nicht an den Pfarrer gebunden sein, sie können durch freiwillige ehrenamtliche Mitarbeiter in die Hand genommen werden. Eigentlich ist das eine Chance, die Lebendigkeit und Kreativität des Gemeindelebens weiterzuentwickeln – es bedeutet mitzumachen statt Kirche passiv zu konsumieren.

Für Pfarrer Willy Manzanza ist dies alles nicht neu, er kennt es aus den afrikanischen Verhältnissen, in denen er lange gearbeitet hat: Weniger Priester und ein viel lebendigeres Gemeindeleben prägen den Kirchenalltag im Kongo. Freiwillig – „im Geist der Freiheit“ – die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und für andere einzusetzen, erklärt Manzanza, kann ein ganz großer Gewinn sein – an Freude, an Kreativität und an „globalem Denken“.
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