Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 198 · September 2009
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Die Moritzberger Friedhöfe

Inseln für vielerlei Schätze

(sbr) Die katholischen Friedhöfe auf dem Moritzberg haben einen neuen Friedhofsgärtner. Ralph Hertle, Gartenbauingenieur und Geschäftsführer der Firma Salix, hat zum 1. Juli 2009 mit seinem Team die Pflege der Anlagen Im Bockfelde und an der Vogeler Straße übernommen. Friedhofsverwalter im Kirchenvorstand von St. Mauritius ist nach wie vor Wilfried Freckmann. Ökologisch begleitet wird die Friedhofsarbeit von der Natur- und Umweltgruppe St. Mauritius mit Hubert Ingelmann.
Die Moritzberger Friedhöfe sind in ökologischer Hinsicht Schätze - sie sind Lebensräume für viele, zum Teil selten gewordene Pflanzen und Tiere, grüne Lungen für das Vorstadtklima und Oasen der Stille und Entspannung für die Menschen. Alte Friedhöfe weisen meist deutlich mehr Pflanzenarten auf als vergleichbar große Parks. Von besonderer Bedeutung sind die mächtigen alten Bäume und die Natursteinmauern der Friedhöfe.
2005 teilte die Untere Naturschutzbehörde der Stadt der katholischen Gemeinde mit, dass die alten Umfassungsmauern auf dem Friedhof im Bockfeld „zu den floristisch wertvollsten Mauern der Stadt Hildesheim gehören“. In den Fugen zwischen den Kalksteinen wächst zum Beispiel die Mauerraute, ein Überlebenskünstler an felsigen Standorten. Selten gewordene Lebensräume bieten auch die Mauerkronen und der Mauerfuß. Manche der Pflanzengemeinschaften können an diesen Standorten Hunderte von Jahren alt werden. Die Mauerfugenpflanzen zerstören das Mauerwerk nicht, sondern sorgen durch die Aufnahme von Wasser sogar für trockene Wände.

Foto: Sabine Brand
Hubert Ingelmann zeigt die floristischen Schätze des Friedhofs im Bockfeld: spontan wachsende Mauerfugenpflanzen und alte Bäume
Foto: Sabine Brand

Auf Beeten und im lichten Gebüsch am Eingang des Friedhofs im Bockfeld hat sich eine einheimische Orchidee erhalten: die Breitblättrige Stendelwurz. Naturkundige Friedhofsbesucher verfolgten über zehn Jahre lang das Gedeihen der geschützten wild wachsenden Staude. Im letzten Frühjahr wurden - aus Unwissenheit - mehrere der Pflanzen ausgerissen. Zu häufiges Mähen, striktes „Aufräumen“ und der Austausch der langjährigen Vegetation gegen einjährige Blühpflanzen richtet hier großen Schaden an!
Ein Prachtexemplar aus der Familie der Sumpfzypressen, ein Mammutbaum von 3,40 Meter Stammumfang, findet sich vor dem Betriebshof der Friedhofsgärtnerei. Und ein Chinesischer Bienenbaum, der auf Anraten der Natur- und Umweltgruppe gepflanzt wurde, gibt Wild- und Honigbienen üppige Nahrung - ein Exot, der die Flora und Fauna des Friedhofs ergänzt und bereichert.
Auch für Vögel, Schmetterlinge, Amphibien und Säugetiere sind die alten Moritzberger Friedhöfe Inseln zum Überleben, solange sie extensiv - statt intensiv - und ohne Einsatz von Pestiziden gepflegt werden. Hubert Ingelmann liegen neben den Friedhofsmauern besonders die Hecken am Herzen. „Sie dürfen nicht zu oft geschnitten werden - zum Schutz der brütenden Vögel von Mai bis Juli gar nicht. Außerhalb der Stadt darf bis September nicht geschnitten werden, aber innerhalb des Stadtgebiets gilt diese Vorschrift nicht. Wir möchten die Schöpfung erhalten, deshalb wünschen wir uns für die Moritzberger Friedhöfe einen rücksichtvollen Pflegerhythmus - kein Heckenschnitt von Mai bis Juli.“
Der Friedhofsgärtner kennt die Rücksichten, die der Naturschutz fordert. Unter Umständen steht er aber zwischen zwei Fronten: Besucher und pflegende Angehörige wünschen sich manchmal „aufgeräumte“Anlagen, gestutzte Hecken und Monokulturen wie kurz gehaltene Rasenflächen. Deshalb möchte Ingelmann Verständnis für die ökologische Bedeutung der Friedhöfe bei den Moritzbergern wecken: „Wir können als Kirche nur glaubwürdig sein, wenn wir darauf hinarbeiten, Gottes Schöpfung, das Klima, Wasser, Boden, Luft und die Lebewesen zu erhalten. Daran können wir alle mitarbeiten - gerade in unserem kleinen überschaubaren Bereich am Moritzberg.“

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