Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 207 · August 2010
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Schindlers Linde

Das Sturmtief „Xynthia“, das Ende Februar des Jahres über Norddeutschland tobte (auch die HAZ berichtete1), entwurzelte die auf dem Panoramaweg neben dem Kreuz für die Urbanusprozession cirka 18682 gepflanzte Linde. Ein Baumstamm, für die meisten Menschen noch nicht einmal als Brennholz tauglich – für den Künstler Henning Schindler ein Anlass zu kreativer Auseinandersetzung mit der Natur. Herr Schindler aus der oberen Bergstraße rettete die alte Linde vor dem Transport auf den Zentralfriedhof und der Verwertung.

Foto: Alexander Matz
Foto: Alexander Matz

Nach dem Unwetter unternahm der ausgebildete Kunstmaler und Restaurator einen Spaziergang auf dem Rottsberg, sah die umgestürzte Linde und setzte sich sofort mit dem Gartenamt in Verbindung. Die Mitarbeiter reagierten positiv auf seine Anfrage und prompt wurde der Stamm mittels eines Kranwagens auf das Grundstück Schindlers transportiert. Hier konnte nun mit den Aktivitäten begonnen werden. Zunächst musste der Wintervorrat von zahlreichen Eichhörnchen entfernt werden, die Mengen von Nüssen abgelagert hatten. Außerdem waren in den Stamm etliche Nägel geschlagen worden, die aus alten Zeiten viereckig, aus modernen Zeiten runde.

Der Künstler gestaltete dann das Holz mit Hammer, Beitel, Fäustel, verschiedenen Stecheisen, Feilen und Raspeln. Herr Schindler arbeitet ohne Skizzen. Während er sich mit dem Material beschäftigt, entwickeln sich Ahnungen, wie das Holz bearbeitet werden sollte, damit es auf den Betrachter wirkt. Jedes Holz hat von Natur gewisse optische Strukturen und Färbungen, die bestimmte Assoziationen mit Lebewesen oder Gegenständen nahelegen. So hat der Künstler an Tiere erinnernde Formen herausgearbeitet, so dass Kinder, die an seinem Grundstück vorbeigehen, einen Elefanten und einen Hund auf dem bearbeiteten Stamm entdecken.

Neben der Linde vom Panoramaweg sind phantasieanregende Objekte aus dem Holz einer alten Robinie, die auf dem Friedhof geschlagen wurde, in seinem Garten zu bewundern. Henning Schindler ist stolz darauf, das die alten Bäume auf dem Moritzberg bleiben und so ein Stück Stadtteilgeschichte erlebbar ist.

Wer sich die Kunstwerke einmal näher ansehen möchte, kann einen Termin mit Henning Schindler vereinbaren und bei einem Spaziergang durch seinen Garten (hier sind auch mehrere Steinarbeiten des Bildhauers aufgestellt) Interessantes über sein Handwerk erfahren.

Der bearbeitete Lindenstamm vom Panoramaweg – nun Kunstobjekt – ist während des Bergfestes am 21. August in der oberen Bergstraße zu bewundern. Gern nimmt Henning Schindler dann auch Namensvorschläge dafür an.

1 HAZ vom 03.03.2010: „Nach Xynthia: Was zahlt die Versicherung?“(mit einem Foto der entwurzelten Linde)

2 Moritz vom Berge, Nr. 43, Mai 1994; Jutta Finke: „Kreuze am Wege“

Alexander Matz
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