100 Jahre Tischlerei und Bestattungen
(sbr) Ein außergewöhnliches Jubiläum wird im August in der Bergstraße 70 gefeiert: Die Tischlerei und das Bestattungsunternehmen der Familien Algermissen und Hessing sind einhundert Jahre alt geworden – an diesem Standort und in einer Werkstatt, die noch aus der Gründungszeit erhalten ist. Am 1. April 1910 – ein Jahr genau vor der Eingemeindung Moritzbergs – gründete Franz Algermissen den Betrieb in der bis heute bewährten Kombination von Handwerk und Dienstleistung.

Franz Algermissens Sohn fiel im ersten Weltkrieg, die Firma wurde deshalb von Algermissens Schwiegersohn Joseph Hessing, Ingenieur und Opa des heutigen Firmenchefs, fortgeführt. Die Tischlerei zieht sich vom Hof hinter dem Gebäude Bergstraße 71 parallel zur Eulengasse bis an die Neubauten im Pieperschen Hof hin. Mitte der sechziger Jahre wurde das Gartengrundstück direkt neben der Eulengasse bebaut: die Nummer 70 entstand als Mehrfamilienhaus mit großem Firmenschaufenster und Bürobereich. Die Eulengasse, eine Privatstraße, wurde asphaltiert. An die hohe Birke vor der Tischlerei – scherzhaft als „Bauherr“ für den Neubau bezeichnet – erinnert eine Baumscheibe an der Hofeinfahrt.

Nach Joseph Hessings Tod im Jahr 1973 führten seine Söhne Klaus und Franz-Josef den Betrieb weiter unter dem Namen „Algermissen und Hessing“. Als Ende der neunziger Jahre ihre Mutter Elisabeth Hessing, geb. Algermissen, gestorben war, lief das Geschäft unter dem Firmennamen „Hessing“ weiter. Mittlerweile arbeitete die vierte Generation im Familienbetrieb mit: Klaus Hessings Sohn Stefan hatte seine Tischlerlehre in Himmelsthür abgeschlossen, 1993 seinen Meister gemacht und war danach in die Firma eingetreten. 1995 heiratete Stefan, 2003 schied sein Vater aus dem Betrieb aus. Stefans Frau Daniela, von Beruf Mode-Designerin, übernahm von dieser Zeit an zunehmend die Büroarbeiten, Buchführung und Verwaltung, so wie zuvor Carsta und Ingrid, die Ehefrauen der dritten Generation der Tischlerdynastie.

Seit 2009 sind Daniela und Stefan Hessing allein zuständig für den Betrieb – Tischlerei und Bestattungen in einer Hand. Mit ihren drei Kindern wohnen sie neben der Werkstatt – sie haben sich bewusst gegen den Auszug ins Gewerbegebiet und damit gegen eine Betriebsvergrößerung entschieden. Die Familie genießt die Integration in den Stadtteil.
Zu den besten Zeiten, erzählt Stefan Hessing, hatte die Firma 14 Mitarbeiter, heute sind es sechs in der Werkstatt und eine Bürokraft. Der Arbeitsbereich im Tischlerhandwerk hat sich gewandelt: Bis 1993 wurden z.B. die Fenster im Betrieb selbst hergestellt, jetzt werden sie aus industrieller Fertigung zugekauft. Sonderanfertigungen machen einen größeren Anteil an den Arbeiten aus als früher. Grundsätzlich gilt: „Von Kleinstreparaturen bis zu Großbaustellen finden Sie bei uns alles, was eine Tischlerei macht“.
Schindlers Linde