Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 211 · Dezember 2010/Januar 2011
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Neuer Handymast am Berghölzchen

In den Herbstferien entstand im Berghölzchen ganz in der Nähe des Moritzberger Wegs ein neuer Handymast mitten im Landschaftsschutzgebiet auf städtischem Grund – und nicht einmal die Nachbarn, die den Turm quasi vor dem Fenster stehen haben, wussten vor Baubeginn davon. Die entsetzten Anwohner im Umkreis von mehreren Hundert Metern protestieren nicht nur wegen der Optik, sondern weil sie sich ernsthafte Sorgen um ihre Gesundheit und ihren Schlaf machen.

Foto: Sabine Brand
Mitte Oktober 2010 wurde an der „Pottrodelbahn“ im Berghölzchen ein Handymast des Mobilfunkanbieters O2 errichtet – grün gestrichen
Foto: Sabine Brand

Auch nachträglich kann von Seiten der Stadt niemand schlüssig erklären, wie die Entscheidung für diesen Standort zustande kam. Die Stadt verspricht, im Wiederholungsfalle die Bevölkerung zu informieren. Eine Karte mit den bereits bestehenden Mobilfunkstandorten hat sie erst nach dem Beginn der Proteste im Internet veröffentlicht. Diese enthält allerdings bisher (Stand 11.11.2010) keinerlei Information darüber, in welche Richtung wie viele Sender mit welcher Stärke funken.

An diesem Fall werden bei genauerer Betrachtung einige grundsätzliche Dinge offenbar: Eigentlich sollte die Bevölkerung einbezogen und spätestens vor dem Stellen des Bauantrages informiert werden – also dann, wenn Änderungen noch einfach möglich sind. Inzwischen wächst aber der Widerstand gegen neue Sendemasten. Mancher Hauseigentümer mag sein technisch geeignetes Hausdach nicht zur Verfügung stellen – also werden Fakten geschaffen.

Die tatsächliche Notwendigkeit neuer Sender bleibt unklar: Warum kann der Kunde des einen Anbieters nicht über die vorhandenen Anlagen des anderen Zugang zum Netz bekommen, ähnlich wie bei Auslandsaufenthalten? Will wirklich jeder zu Hause mit dem Handy telefonieren und mobil im Internet surfen?

Wird ein Sender von den Anwohnern durch z.B. eine Unterschriftenaktion erfolgreich abgewehrt, so ist das Thema damit keineswegs vom Tisch. Über kurz oder lang steht der Mast halt ein paar (Hundert) Meter weiter. Die rechtliche Grundlage für eine Abwehr ist miserabel. Die gesetzlichen Grenzwerte greifen erst, wenn sich Körpergewebe um mehr als ein Zehntel Grad Celsius erwärmt. Nach offizieller Lesart lassen sich bei geringerer Strahlungsintensität keine Gesundheitsschäden wissenschaftlich nachweisen. Unabhängige Wissenschaftler (weder von der Industrie noch vom Staat finanziert), Baubiologen und Umweltmediziner wie Dr. Christoph Mai von den Fachkliniken Nordfriesland sind anderer Meinung.

Gerne wird auf angeblich geringe Feldstärken hingewiesen. Das mag im Vergleich zu den in Deutschland geltenden Grenzwerten richtig sein. Aber: In der Natur gibt es zwar elektromagnetische Strahlung, aber keinerlei gepulste! (Gepulste Strahlung macht in schneller Folge kleine Pausen. Das trifft auf sämtliche Funknetze inklusive Schnurlostelefone und WLANs zu.) Im Vergleich zum natürlichen Vorkommen sind die Feldstärken also unendlich groß!

Im menschlichen und tierischen Körper läuft von Gedanken über Bewegungen bis hin zum Stoffwechsel der Zellen fast nichts ohne Elektrizität und/oder Magnetismus. Da soll ein jahrzehntelanges, ununterbrochenes, wild gemixtes und unnatürliches Störfeuer keinen ernsthaften Schaden anrichten?

Negative Langzeitfolgen können auch von offizieller Seite nicht ausgeschlossen werden. Fünf Millionen Mitbürger fühlen sich in Deutschland bereits jetzt durch die Funkwellen beeinträchtigt. Die Dunkelziffer ist unbekannt. Wer weiß schon, woher seine Schlafstörungen, seine Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Verspannungen, Herzrhythmusstörungen, Depression, Infektanfälligkeit, Müdigkeit oder die ungewollte Kinderlosigkeit etc. kommen? Wer weiß, wie es ihm ohne die Belastung durch die Strahlung ginge? Da es kaum noch Funklöcher gibt und so die Vergleichsmöglichkeit fehlt, ist die Frage schwer zu beantworten.

Trotzdem lässt der Staat zu, dass unser schönes Land flächendeckend bestrahlt wird, und ergreift keine wirksamen Maßnahmen, um die Belastung so gering wie möglich zu halten. Es gibt immer mehr Mobilfunksender – schon über 64.500 in Deutschland – und die bestehenden Standorte werden weiter ausgebaut. Die „Genehmigung“ besteht aus einer Bauartzulassung und einer Anmeldung – vergleichbar mit dem Auto. Eine Überprüfung auf Notwendigkeit erfolgt nicht.

Jedermann und jedefrau darf sich zudem ein ständig strahlendes DECT-Telefon und einen WLAN-Router besorgen. Deren Strahlung macht wie der Mobilfunk auch nicht an der Wohnungstür halt, sondern dringt rund um die Uhr in fremde Wohnungen und Gärten ein. Wer also hochfrequenter, gepulster elektromagnetischer Strahlung aus dem Weg gehen will, hat mittlerweile schlechte Karten: Ob im Park, im Wald, im Kindergarten, in der Kirche, im Supermarkt oder gar im Bett – die Strahlung ist schon da. Es kann sogar passieren, dass man sich ahnungslos mit einem neuen Radio ein WLAN in die eigene Wohnung holt.

Eine öffentliche Diskussion darüber, wann wo welche Funknetze überhaupt sinnvoll sind und wie man deren Nutzung mit größtmöglichem Schutz vor eventuellen Folgen ermöglicht – Fehlanzeige! Eine faire Diskussion darüber, wieviel Funk Mensch, Tier und Pflanze vertragen: Fehlanzeige! Eine sachliche Diskussion darüber, ob andere, bereits existierende Funktechniken besser verträglich wären: Fehlanzeige! So bleiben wir alle weiterhin Versuchskaninchen, ob wir das wollen oder nicht.

Wahrscheinlich leiden in Hildesheim nicht nur die mir bekannten vier Menschen durch die Einführung von UMTS und den massiven Einsatz von WLANs. Ich würde gerne die Stadtspitze (und nicht nur die!) davon überzeugen, dass Rücksichtnahme zwingend notwendig ist. Also: Betroffene bitte bei mir melden unter Tel. 4 64 03 oder per Mail: ElisabethStichnoth@web.de. Hoffentlich gelingt es, Veränderungen im Kleinen und im Großen in Gang zu setzen. Viele Vereine und Initiativen in Deutschland arbeiten daran. Machen wir mit!

Elisabeth Stichnoth
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