Rüben verziehen
von Gerhard Kinder
In den Jahren 1942 bis '43 hatten die Bauern nicht genug Personal, um auf ihren Rübenäckern die Rüben zu verziehen, darum griff man auf uns Schüler zurück. Die Samen der Rüben wurden zunächst in Reihen gesät. Da die Drillmaschinen damals sehr ungenau den Rübensamen auswarfen, kamen im Mai immer mehr kleine Pflanzen aus dem Boden und diese mussten dann verzogen werden, d.h. die kräftigsten blieben stehen.
Wie alles im Leben hatte dieses Verziehen eine positive und eine negative Seite. Das Positive war, wir wurden mit einem Trecker plus Anhänger, der mit Stroh ausgelegt war, vom Königsteich abgeholt und hatten deswegen auch keine Schule. Die Fahrt nach der Domäne Poppenburg war immer ein Erlebnis. Kamen wir in der Elzerstraße an Nr. 92 vorbei, so riefen wir alle „Hotti Hotti“, und wenn wir Glück hatten, schaute die Hotti, die mit Nachname Ranke hieß, aus dem Fenster. Warum wir das getan haben, weiß ich bis heute nicht.
Das nächste Erlebnis spielte sich in Heyersum ab und wieder riefen alle „Heyersum, eierkrumm“. Dann folgte Mahlerten und wir riefen „Mahlerten, Pinselquäler“.
Nun waren wir in Poppenburg angelangt. Wir fuhren sofort auf das Rübenfeld und wenn wir das große Feld sahen, schlug die positive Seite um, denn wir mussten auf allen Vieren über den Acker kriechen, immer in der Mitte der Furche, und rechts und links die Pflanzen verziehen. Die meisten von uns hatten abgeschnittene Kniestrümpfe übers Knie gezogen, so tat es nicht ganz so weh.
Wenn dann endlich Feierabend war, wurden wir in die Domäne gefahren und da gab es in einem großen Saal ein gutes Essen. Bei der Rückfahrt waren wir so kaputt, dass wir nicht wie auf der Hinfahrt laut gerufen haben.
Wer rastet, rostet