Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 225 · März 2012
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Die Königskerze
Albert Wilhelm Hanne I
8. September 1942 bei Rschew
Aus grüner Blattrosette
in silberner Manschette
ragt hoch empor ein Schaft,
geschmückt mit goldnen Köpfen
aus gelben Blütenknöpfen
zeigt Schönheit er und Kraft.
Soweit die Menschen wohnen
steht sie auf dürrem Boden
und trotzt dem stärksten Wind.
Sie schwankt wohl hin und wieder,
doch beugt er sie nicht nieder,
grad wie ein trotzig Kind.
Man heißt sie Königskerzen,
erfreut der Menschen Herzen
wenn man sie blühen sieht.
Doch kommt das Wintersterben,
birgt sie sich in der Erden.
Im Lenz sie neu erblüht.
Die schönen Königskerzen,
sie gleichen Menschenherzen,
die stolz und trotzig sind,
die sich vor Macht nicht neigen,
sich nur dem Rechte beugen,
nach Schlägen neu erblühn.
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Albert Hanne, Moritzberger Friedhofsgärtner, an Pfarrer Theodor Köhlers Grab auf dem katholischen Friedhof an der Vogelerstraße um 1938. Im Hintergrund die Häuser der Triftstraße, das Bockfeld ist noch nicht bebaut. Von 1939 bis 1942 schrieb Hanne an der Ostfront eine Fülle von Gedichten und schickte sie als Gruß an seine Familie in der Bergstraße 67.
Foto: Privatbesitz Siegfried Hanne