Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 240 · August 2013
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Raubbau oder nachhaltige Waldwirtschaft – was haben die Förster am Steinberg im Sinn? Teil 1

von Dr. Fritz Griese, Forstamt Liebenburg

Holzeinschlagsmaßnahmen der letzten Zeit im Steinberg haben ablehnende, teilweise sehr kritische Reaktionen interessierter Bürgerinnen und Bürger hervorgerufen. Von „Raubbau“, „Schlachtfest“ oder „radikalem Baumschlag“ war die Rede. Solchen Äußerungen entnehmen wir, dass über Wald, Waldbau und Forstwirtschaft in unserem Raum möglicherweise ein gesteigertes Informationsbedürfnis besteht. Im Nachfolgenden wird daher versucht, einige Grundzüge und Prinzipien forstlichen Handeln etwas verständlicher zu machen, so wie sie auch für den Steinberg Geltung erlangen.

Vorweg: Was hat das Forstamt Liebenburg am Steinberg zu suchen?

Der Wald am Steinberg ist Eigentum der Stadt Hildesheim, die rund 700 ha Wald ihr Eigen nennt. Im Rahmen eines 1985 geschlossenen Vertrages mit den heutigen Niedersächsischen Landesforsten betreut das Niedersächsische Forstamt Liebenburg seit 2005 etwa 670 ha des städtischen Waldes, die vor Ort der Revierförsterei Sorsum zugeordnet sind. Von dort werden die Maßnahmen im Wald gesteuert.
HolzbestandEntwicklung des Holzvorrates im Stadtwald Hildesheim und Vergleich mit dem Steinberg heute

Grundprinzip allen forstlichen Handelns: die Nachhaltigkeit

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung der Forstwirtschaft. Es hat seinen Ursprung in den Anfängen geregelter Waldbewirtschaftung und ist im Jahre 1713, also vor genau 300 Jahren, erstmals beschrieben worden (1). Damals dürfte der Steinberg noch eine waldfreie, kahle Weidefläche gewesen sein.

Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft bedeutet vereinfacht, dass aus dem Wald nur soviel Holz entnommen werden darf, wie in ihm zuwächst, damit er nicht zerstört wird. Dieses Prinzip ist auch heute die wichtigste Richtschnur allen forstlichen Handelns. Es findet seinen Ausdruck im sog. „Forstlichen Betriebswerk“, einem auf zehn Jahre ausgelegten Planungswerk für jeden Forstbetrieb. Zu dessen Aufstellung wird u.a. für jede einzelne Waldfläche die vorhandene Holzmenge (der sog. Holzvorrat (2)) bestimmt, der Holzzuwachs kalkuliert und darauf fußend die entnehmbare Holzmenge abgeleitet. In der Summe für alle Waldflächen des Forstbetriebes ergibt dies den sog. „Hiebssatz“, das ist die Summe des Holzes, das geerntet werden kann, ohne die Nachhaltigkeit zu verletzen. Auch für den Stadtwald Hildesheim wird dieses Planungswerk alle zehn Jahre aufgestellt, zuletzt für den Zeitraum der Jahre 2007 bis 2016. Dieses aktuelle Werk ist über 200 Seiten stark. Jedes Betriebswerk wird mit dem jeweiligen Eigentümer – hier mit der Stadt Hildesheim – einvernehmlich abgestimmt.

Wie steht es um die Nachhaltigkeit im Hildesheimer Stadtwald?

Aus den forstlichen Betriebswerken von 1977 bis 2007 lässt sich die Entwicklung des Holzvorrates in den letzten 30 Jahren bis heute fortlaufend ablesen. In Abbildung 1 ist die Entwicklung dargestellt: Die Graphik zeigt ein stetiges Anwachsen der Holzvorräte im Hildesheimer Stadtwald von 220 Vorratsfestmeter (Vfm) im Jahr 1977 bis auf 347 Vfm in 2007. Dies bedeutet, dass in den letzten Jahrzehnten ständig weniger Holz aus dem Wald entnommen wurde als zugewachsen ist. Es hat also kontinuierlich ein Aufbau des Holzvorrates stattgefunden und kein Abbau. Die Steigerung beläuft sich auf rund 58%. Der Trend setzt sich auch nach 2007 fort. Dem aktuellen Betriebswerk ist zu entnehmen, dass gegenwärtig eine weitere Zunahme des Holzvorrates erfolgt: dem Hiebssatz von 5585 Vfm jährlich steht ein laufender Holzzuwachs von 6011 Vfm jährlich gegenüber. Nach gegenwärtigem Stand nimmt der Holzvorrat noch stärker zu als prognostiziert.

Die rechte Säule der Graphik weist einen Holzvorrat im Steinberg von sogar aktuell 450 Vfm / ha aus, der damit den Durchschnittswert aus 2007 für den gesamten Stadtwald Hildesheim noch einmal um über 100 Vfm oder fast 30% übertrifft. Zum Vergleich: Die landeseigenen Waldflächen im Forstamt Liebenburg hatten in 2010 einen durchschnittlichen Holzvorrat von 271 Vfm / ha.

Mit der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Hildesheimer Stadtwald wie am Steinberg ist in den letzten Jahrzehnten bis heute also ein kontinuierlicher Waldaufbau verbunden und keine Waldzerstörung.
Quellen:
(1) V. Carlowitz, 1713: Sylvicultura oeconomica – … naturgemäße Anweisung zur wilden Holzzucht
(2) Holzvorrat: Holz ab 7cm Durchmesser mit Rinde in „Vorratsfestmeter“ (Vfm); 1 Vfm = 1 Kubikmeter)

Der 2. Teil des Pressetextes „Was haben die Förster am Steinberg im Sinn?" folgt in Moritz vom Berge, Septemberausgabe 2013
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