Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 249 · Juni 2014
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Moritzberg Verlag
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Bäckerei Krone

Protest gegen Durchgangsverkehr

(sbr) Eins der größten Probleme der 1980er Jahre wird wieder hochaktuell: die Belastung der Dingworthstraße mit Durchgangsverkehr. Seit Moritz vom Berge im Februar 2014 (www.moritzvomberge.de, Ausgabe 245) darüber berichtete, hat das Problem sich verschärft – das Tempo und die Verkehrsdichte nehmen stetig zu, nicht nur in der Dingworthstraße, auch in der Königstraße. Das jedenfalls ist der subjektive Eindruck, den die Geschäftsleute und die Anwohner dieser Straßen beschreiben. Dieser Eindruck bestätigt sich bei jedem Gang durch die Dingworthstraße – es ist unangenehm, sich dort aufzuhalten, und es wird immer gefährlicher, die Straße zu überqueren.
DingworthstrasseVerkehrsberuhigung wird immer dringlicher in der Dingworthstraße
Foto: sbr
Auf Initiative eines Anwohners der Königstraße liegen seit dem 12. Mai Unterschriftenlisten in zwei Geschäften aus: im Backlädchen (früher Könneker) und in der Berg-Apotheke. Bereits nach fünf Tagen, so der Initiator, hatten sich allein in einer der beiden Listen schon 100 Anwohner mit Name und Adresse für eine Verkehrs- und Temporeduzierung ausgesprochen.

Dem Ortsrat ist das Problem bekannt: Seit dem Ausbau der Pappelallee fahren immer mehr Wagen statt über das Dammtor die Strecke ohne Ampeln durch die Geschäfts- und Wohnstraßen am Moritzberg. Bereits auf einer der letzten Sitzungen hatte der Ortsbürgermeister eine Geschwindigkeitsmessanlage der Stadt angefordert, um das Problem mit Zahlen belegen zu können. Zunächst wurde er vertröstet: Die Messanlage war kaputt, die Reparatur müsse abgewartet werden. Dann stellte sich heraus, dass sie nicht zu reparieren war und die finanziellen Mittel für eine Neuanschaffung blockiert waren. Ende April 2014 hat das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport nun den Haushalt der Stadt Hildesheim für das Jahr 2014 genehmigt. Stadtbaurat Dr. Brummer kündigte in der STEBA-Sitzung am 21. Mai an, dass die Stadt demnächst eine neue mobile Geschwindigkeitsmessanlage anschaffen werde. Spätestens im Sommer 2014 sei sie in den Stadtteilen einsetzbar. Moritzberg steht nach Auskunft von Ortsbürgermeister Erhard Paasch ganz vorn auf der Warteliste für den Einsatz dieses Gerätes.

Gespräche und Beratung werden noch notwendig sein, um die Zielsetzung der Verkehrsberuhigung abzustimmen. Einige Geschäftsleute fürchten, die komplette Sperrung der Durchfahrt in der Dingworthstraße könne anliegen. Das könnte Umsatzeinbußen zur Folge haben. Anfang der 1990er Jahre stand durchaus die Einrichtung der Dingworthstraße als Fußgängerzone zur Debatte. Aber als sich die Mehrheit der Geschäftsleute dafür ausgesprochen hatte, kam das Aus für die geplante Sanierungsmaßnahme am Moritzberg – die Gelder wurden vorrangig im Osten Deutschlands eingesetzt.

Zur Klärung wird der Politische Arbeitskreis wie der Ortsrat sich noch vor der nächsten Ortsratsitzung mit dem Thema beschäftigen. Dazu gehört auch das Gespräch mit den Geschäftsleuten am Berg, um möglichst alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Während beim Thema Durchgangsverkehr die Kunden und Nachbarn in den Geschäften am Berge noch zur Unterschriftenliste greifen, sind einige Anwohner in der Bergstraße bereits mit praktischer Verkehrsberuhigung beschäftigt. Dort sind deutlich sichtbar im unteren Teil der Straße Schilder aufgestellt, die zum Langsamfahren auffordern: „Autofahrer, hier gilt Tempo 10. Niemand zwingt Sie hier zur Durchfahrt!“ Die möglichen Bußgelder bei Tempoüberschreitung werden auch genannt.
AchtungPraktische Verkehrsberuhigung in der Bergstraße
Foto: Lutz Engelhardt
Die Schilder haben eine durchschlagende Wirkung – zumindest bis man sie kennt. Jeder Autofahrer bremst ab, um sie zu lesen. Die Protestaktion wirkt wie ein Hilferuf. Auf Dauer muss hier von zuständiger Seite mit Nachdruck dafür gesorgt werden, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung beachtet wird.
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