Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 250 · Juli / August 2014
Der Verlag:
Moritzberg Verlag
Unterstützer für die Webversion:
Bäckerei Krone

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Sabine Brand
Sie haben die 250ste Ausgabe des Moritz vom Berge vor sich. 250-mal Stadtteilzeitung Hildesheim-West – das ist schön und es ist genug, zumindest für mich als verantwortliche Redakteurin. Mit der Doppelausgabe Juli/August 2014 erhalten Sie zum letzten Mal den „Moritz“ von mir. Wie es dann weitergeht, steht bei Redaktionsschluss noch nicht ganz fest – Sie werden es erfahren.

250 Ausgaben Moritz vom Berge – das sind fast 25 Jahre Stadtteilzeitung, die erste Ausgabe erschien zum 1. März 1990. Damals waren wir acht engagierte Anwohner aus dem Umkreis der Bergstraße. Es ging darum, sich als Stadtteil am Rande, mit eigener Geschichte, unmittelbar und authentisch Gehör zu verschaffen. Viele passende Problemlösungen für den „Berg“ wurden damals durch die Arbeit von Bürgerinitiativen ins Rollen gebracht.

Im Laufe der Jahre schwanden die freiwilligen festen Mitarbeiter. Mit mir haben einige (mehr oder minder) bezahlte professionelle Gestalter und Freunde die Arbeit getragen. In den letzten Jahren habe ich die redaktionelle Arbeit, Finanzierung und Vertrieb allein gemacht – mit engagierten Layouterinnen auf Honorarbasis und guten Zeitungsverteilern gegen Lohn.

40 bis 50 Stunden monatlich konzentrierte unbezahlte Arbeit – das war oft eine kreative Freude und hat gute Erfolge für den Moritzberg gebracht. Aber jetzt reicht es für mich persönlich. Andere Ziele locken – ehe die grauen Haare ganz weiß sind und die Unbeweglichkeit aus Altersgründen wächst. Die Zeit für den Absprung erscheint mir günstig.

Zum einen macht der Moritzberger Kulturverein mir seit kurzem die Arbeit schwerer. Nach sieben Jahren familiär bedingter Querelen – wir sind hier auf dem Berge nun mal oft verwandt oder verschwängert – habe ich keinen direkten Zugang mehr zu dem Material, das im Archiv des Vereins niedergelegt ist, und zu den Karteikarten, über die es erschlossen ist. Eine Menge Fotos und Schriftmaterial aus der Redaktionsarbeit des Moritz ist dort eingearbeitet und ein Teil meiner Bücher einsortiert. Zu den 40 oder 50 Stunden ehrenamtlicher Arbeit käme in den nächsten Monaten für mich deutlich mehr Arbeitsaufwand, um den Verlust auszugleichen. Der eingeräumte Zugang zum Vereinsarchiv an zwei Abenden im Monat reicht für die professionelle Arbeit längst nicht aus. Die Gelegenheit ist günstig, einen Schlussstrich unter die Auseinandersetzungen zu ziehen.

Günstig ist auch die Situation des Moritzberges und des Hildesheimer Westens allgemein. Seit 2011 haben wir einen Ortsrat, der sich engagiert, fähig und mit Nachdruck um die Angelegenheiten der Ortschaft kümmert. Das heißt, Moritz vom Berge braucht nicht mehr die Belange des Berges durchzukämpfen und gleichzeitig darüber zu berichten. Bürgerengagement muss nicht mehr gegen Widerstand durchgesetzt werden, es wird gesucht und gefördert. Auch die Moritzberger Kirchengemeinden – viel aktiver als unten in der Stadt – sind engagiert an der Arbeit vor Ort. Das gemeinsame ökumenische Handeln zum Wohle aller ist ein Zeichen der Zeit – Abgrenzung und Machtinteresse sind stark zurückgetreten.

Kurz: Die Zeit ist gut für Veränderungen – auch bei sich selbst.

Sehr herzlich bedanke ich mich bei den langjährigen Mitarbeitern, Freunden, Begleitern und Helfern. Gern erinnere ich an Menschen wie Walter Pinkepank und Erich Klare, die ihr Bestes gegeben haben, um im Alter mit Moritz vom Berge die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart am Berge lebendig zu halten. Ihre Beiträge fehlen mir. Die Zeit hat sich geändert – junge Leute könnten übernehmen. Der Moritzberg Verlag wird im Übrigen von mir weitergeführt und wird Neues produzieren – weniger auf das lokale Geschehen am Berge bezogen.

Sehr herzlich danke ich Ihnen für Ihr Interesse, für kritische Rückmeldungen wie auch Bestätigung und für alle Beiträge an Moritz vom Berge – Ihre Liebe zum Berge und Ihr Engagement für den Ort sind für die Zukunft entscheidend.
Sabine Brand
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