Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 189 · November 2008
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Fit-Inn erwacht aus Dornröschenschlaf

(sbr) Die Tennishalle des Fit-Inn war zuletzt fast zugewachsen. Nach dreieinhalb Jahren Leerstand war das markante Gebäude Im Bockfelde kurz vor der B 1 hinter den Baumwipfeln kaum noch zu entdecken. Nun ist es verschwunden – im September abgerissen. Hinter den Büschen am straßenrand erstreckt sich eine große Brachfläche. „Das waren vier Tennisplätze“, beschreibt Gudrun Brandt die Dimensionen. „Jetzt ist es unser Bauplatz. Vorn an der Straße wird unser neues Haus für die Wohngruppen gebaut: zum straßenverlauf schräg gestellt, zweigeschossig mit über 900 Quadratmetern Wohnfläche und mit Innenhof im toskanischen Stil. Da bleibt noch viel Platz für Grünflächen mit Gartengestaltung.“

Photo: Fit-Inn
Anstelle der Tennishalle (oben im Sommer 2008) nun ein großer Bauplatz für ein Wohnheim (unten)
Photo: Fit-Inn

Abdellatif Jeriri, Betreiber und Geschäftsführer der Lindenhof GmbH, hat das fast 10.000 Quadratmeter große Fit-Inn-Gelände gekauft. Zusammen mit seiner Partnerin Gudrun Brandt will er dort die Zentrale des Lindenhofs einrichten. Die Lindenhof GmbH ist eine private Einrichtung für geistig behinderte Erwachsene. Seit 1998 betreibt sie ein Wohnheim in Emmerke, seit 2000 auch eins in Alfeld. In beiden Häusern wohnen je 35 Erwachsene stationär, hinzu kommt ein teilstationärer Bereich für die Versorgung von geistig beeinträchtigten Menschen tagsüber. Die Wohngruppen in Emmerke werden, um fünf Wohnplätze erweitert, ins Bockfeld umziehen, die Einrichtung in Alfeld bleibt. Die Zentrale beider Häuser wird im Bockfeld angesiedelt.

Brandt und Jeriri sind seit 25 Jahren privat und beruflich miteinander verbunden. Er ist Heilpädagoge, sie Erzieherin. Von den Möglichkeiten, die das Fit-Inn-Gelände mit den gut erhaltenen Bauten der Achtziger- und Neunzigerjahre für die Behindertenarbeit bietet, sind beide fasziniert. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes werden der Freizeitbereich und die Tagesförderstätte eingerichtet. Dort ist an Werkstätten für die therapeutische Beschäftigung der Bewohner gedacht – kreativ mit Ton und Holz und mit leichten Montagearbeiten – wie auch an einen „Snoozleraum“ zum Entspannen und andere Räume für Freizeitaktivitäten.

Photo: Fit-Inn
Abdellatif Jeriri und Gudrun Brandt stecken voller Pläne für den Ümzug des Privatheims Lindenhof in die frühere Fitness-Anlage im Bockfeld

Die baulich recht junge Badmintonhalle werden die Lindenhof-Bewohner als Sporthalle nutzen. Das intakte hauseigene Schwimmbad bleibt – sorgfältig gehütet – in den Planungen erst einmal außen vor, sein täglicher Betrieb wäre zu kostenintensiv. Eine Cafeteria für die Bewohner wird in der ehemaligen Gaststätte des Fit-Inn, früher „Die Kutsche“, eingerichtet. Sie bietet Raum und Atmosphäre auch für Abendveranstaltungen, für Lesungen und für festliche Anlässe.

Abdellatif Jeriri betreibt nicht nur den Lindenhof, sondern auch die Gaststätte Chapeau Claque in der Hildesheimer Innenstadt. Diese Verbindung schafft günstige Möglichkeiten für die Versorgung der Lindenhof-Bewohner. „Wir haben eine sehr gute große Küche im Chapeau Claque“, erklärt Jeriri. „Dort wird täglich, auch am Wochenende, das Mittagessen für unsere Wohngruppen gekocht und dann nach Alfeld und Emmerke geliefert. Der Kontakt unserer Heimbewohner zur Küche ist hervorragend. Sie können den Koch anrufen und zum Beispiel besondere Wünsche und Bestellungen durchgeben.“

In das neue Wohnhaus, das am ehemaligen Standort der Tennishalle entsteht, werden vier Wohngruppen zu je zehn Bewohnern einziehen. Die Wohngruppen sind hinsichtlich Geschlecht und Alter gemischt. Ihre Mitglieder leben wie in vier großen Familien zusammen. Sie arbeiten nicht in Werkstätten außer Haus, sondern sind im Lindenhof beschäftigt. Für die Freizeit und die Ferien werden gemeinsame Ünternehmungen, Konzert- und Kinobesuche, Fußballspiele und Tagesfahrten organisiert. Auf zehn Bewohner, betont Gudrun Brandt, kommt ein etwa siebenköpfiges Fachpersonal. Das ist deutlich mehr als die vorgeschriebene Personalquote von fünfzig Prozent.

Ende Oktober hat Firma Kubera mit dem Bau des neuen Wohnhauses begonnen, in einem Jahr kann voraussichtlich der Ümzug stattfinden. Jeriri und Brandt sind mit den Planungen für den Neu- und Ümbau und mit dem Verwaltungsbereich der Lindenhof GmbH voll ausgelastet – sie nehmen aber auch aktiv am Alltag der geistig beeinträchtigten Heimbewohner teil. Die zukünftigen Bewohner der Anlage im Bockfeld sind ihrerseits mit Begeisterung an den Vorarbeiten für ihr neues Heim beteiligt: Gegen Mittag hält ein Wagen vor dem Haupteingang im Sykeweg, ein Mitarbeiter rüstet zwei junge Männer vom Lindenhof Emmerke mit großen Besen aus. Alle drei gehen an die Arbeit und reinigen den großen Vorplatz von Scherben und allem, was sich dort in über drei Jahren Leerstand angesammelt hat.

Photo: Fit-Inn
Frank Schierding und Frank Bartsch sind gekommen, um bei Aufräumarbeiten in ihrem künftigen Zuhause zu helfen
Fotos (4): Sabine Brand
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