Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 246 · März 2014
Über 25 Jahre Schulrektor
Ein Meister der Spielräume geht
(sbr) Ende Januar wurde Rektor Eberhard Meier von der Gelben Schule verabschiedet – „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, bekannte Claudia Keil vom Schulvorstand. Das lachende Auge deshalb, weil die feierliche Verabschiedung überhaupt stattfinden konnte. „Noch vor einem halben Jahr“, sagte die Elternvertreterin, „konnten wir kaum darauf hoffen“. Meier war nach Hinweisen aus der Schule, er könnte falsche Abrechnungen geliefert haben, im Januar 2013 vorläufig vom Dienst freigestellt worden und durfte bis zur Aufklärung die Schule nicht betreten. Zwar waren bis Juli 2013 die Vorwürfe ausgeräumt, aber die Landesschulbehörde verbot ihm die Rückkehr an den Arbeitsplatz nach den Sommerferien wegen gesundheitlicher Handicaps. Erst nach einer amtsärztlichen Untersuchung durfte er nach den Herbstferien im Oktober 2013 sein Amt als Schulleiter wieder ausüben.
Der Rektor der Gelben Schule Eberhard Meier ist Ende Januar in den Ruhestand getreten.
Das Bild vom „weinenden Auge“ bei der Verabschiedung spielt darauf an, dass Eberhard Meier ein sehr beliebter Schulleiter war – er arbeitete mit Humor, sein Unterricht machte Spaß. Mit einer Fülle von Projekten und Veränderungen im Schulalltag erweiterte er die Spielräume und dadurch die Lernmöglichkeiten für die Kinder. Rektor Meier konnte Platz schaffen innerhalb der bürokratischen Regelungen und Vorschriften. Das verbesserte auch die Chancen für die Kinder, die von Haus aus wenig Unterstützung beim Lernen haben.
Für den Stadtteil Moritzberg war es hilfreich, dass der Rektor auch Anteil an den Aktivitäten im Umfeld der Schule nahm. „Schule öffnet sich für den Stadtteil“, berichtete Moritz vom Berge im September 2003, als das Foyer im Erdgeschoss umgestaltet wurde. Für Eberhard Meier war die „Öffnung“ schon viel früher selbstverständlich, in 2003 wurde sie aber mit dem Konzept der „Stadtteilschule“ offiziell. Die Sammlung des Vereins Kultur und Geschichte vom Berge hatte schon Anfang der 1990er Jahre in der alten Lehrerwohnung der Schule einen Lagerplatz gefunden. Meier stellte Räume für Versammlungen und Feiern zur Verfügung – Spielraum für die Anwohner, die keinen Bürgertreffpunkt und keinen Ortsrat hatten, aber das Bergfest erfanden, ihren Stadtteil verschönern wollten und zeitweise ein Dach über dem Kopf brauchten.
Passende Räume schaffen für die Entwicklung der Kinder und für soziale Erfahrungen der Anwohner – eine schöne Fähigkeit, die den Rektor manchmal auch in die Konfrontation führte. Sein bildungspolitischer Ansatz, so urteilt er selbst, habe aber mit den Anschuldigungen, gegen die er sich zum Ende seiner Amtszeit rechtfertigen musste, nichts zu tun. „Das war ein individueller vereinzelter Akt. Das ist erledigt, das möchte ich nicht mehr aufwirbeln. Jetzt kann Ruhe einkehren.“
Die letzten dreieinhalb Monate, die Meier wieder im Schuldienst verbrachte, haben ihn schnell in die Alltagsroutine zurückgeholt. Durch die Unterstützung der Kollegen und durch sehr viele Elterngespräche hat er die schwierige Zeit des Ausgeschlossenseins überwunden. Die Verabschiedung wurde von den Schulkolleginnen, Schülern und Eltern vorbereitet und gestaltet, er empfand sie als sehr schönen Abschluss seines Schullebens. Lehrerin Gerlinde Zempel führte durch das Programm, gut 100 Gäste folgten den meist sehr lebendigen Reden und kulturellen Einlagen – „For He's a Jolly Good Fellow“ fasste eine Schülergesangsgruppe mit Charme zusammen.
Gewürdigt wurde auch dies: Eberhard Meier verknüpfte seine Schule nicht nur mit dem Stadtteil und der Region, sondern national und international. Als dienstältester Schulleiter der Stadt war er ein „Verwaltungsfuchs“, ein wahrer Meister im Entwerfen von Programmen, im Anträge Stellen auf Förderungen, auf Teilnahme an europaweiten Projekten, auf Auszeichnungen für seine Schule. Beispiele dafür sind das Projekt „Umweltschulen in Europa“, das Comenius-Projekt der Europäischen Union, das Nessi-Projekt von 1998 (Niedersächsische Energiesparschulen), das Sokrates-Programm der EU. „Mehr gestalten als verwalten“ hieß die Devise, unter der Eberhard Meier und seine Konrektorin Friederike Hoff-Elfers ab 2005 den Reformprozess in der Gelben Schule im Sinne des „UN-Dekadenprojekts Bildung für nachhaltige Entwicklung“ auf den Weg brachten.
2007 übernahm die Schule von der Kita Zierenbergstraße den Hort. Am 1. August 2011 wurde die Gelbe Schule zur Offenen Ganztagsschule mit verlässlicher Versorgung der Kinder – einschließlich warmem Mittagessen – bis in den Nachmittag. Die „sportfreundliche Schule“, die Schüler-Firma „Der grüne Moritz“, der ökologische Schulgarten sind weitere Blitzlichter auf die Projekte, in denen mit Rektor Meier die Spielräume erweitert wurden.
„Wege entstehen beim Gehen“ und „Umwege erhöhen die Ortskenntnis“ – das waren typische Sprüche von Rektor Meier, mit denen er die Schwierigkeiten der Reformvorhaben illustrierte – sie bleiben im Gedächtnis. Eine Gruppe Schüler auf dem Nachhauseweg den Berg hinunter, vorbei an Meiers Haustür, grüßt, als sie ihn sieht. Er freut sich darüber. Gern bleibt Eberhard Meier in der Nachbarschaft der Gelben Schule – als Teil des Stadtteil-Netzwerks, das er selbst mitgeschaffen hat.

Foto: sbr
Das Bild vom „weinenden Auge“ bei der Verabschiedung spielt darauf an, dass Eberhard Meier ein sehr beliebter Schulleiter war – er arbeitete mit Humor, sein Unterricht machte Spaß. Mit einer Fülle von Projekten und Veränderungen im Schulalltag erweiterte er die Spielräume und dadurch die Lernmöglichkeiten für die Kinder. Rektor Meier konnte Platz schaffen innerhalb der bürokratischen Regelungen und Vorschriften. Das verbesserte auch die Chancen für die Kinder, die von Haus aus wenig Unterstützung beim Lernen haben.
Für den Stadtteil Moritzberg war es hilfreich, dass der Rektor auch Anteil an den Aktivitäten im Umfeld der Schule nahm. „Schule öffnet sich für den Stadtteil“, berichtete Moritz vom Berge im September 2003, als das Foyer im Erdgeschoss umgestaltet wurde. Für Eberhard Meier war die „Öffnung“ schon viel früher selbstverständlich, in 2003 wurde sie aber mit dem Konzept der „Stadtteilschule“ offiziell. Die Sammlung des Vereins Kultur und Geschichte vom Berge hatte schon Anfang der 1990er Jahre in der alten Lehrerwohnung der Schule einen Lagerplatz gefunden. Meier stellte Räume für Versammlungen und Feiern zur Verfügung – Spielraum für die Anwohner, die keinen Bürgertreffpunkt und keinen Ortsrat hatten, aber das Bergfest erfanden, ihren Stadtteil verschönern wollten und zeitweise ein Dach über dem Kopf brauchten.
Passende Räume schaffen für die Entwicklung der Kinder und für soziale Erfahrungen der Anwohner – eine schöne Fähigkeit, die den Rektor manchmal auch in die Konfrontation führte. Sein bildungspolitischer Ansatz, so urteilt er selbst, habe aber mit den Anschuldigungen, gegen die er sich zum Ende seiner Amtszeit rechtfertigen musste, nichts zu tun. „Das war ein individueller vereinzelter Akt. Das ist erledigt, das möchte ich nicht mehr aufwirbeln. Jetzt kann Ruhe einkehren.“
Die letzten dreieinhalb Monate, die Meier wieder im Schuldienst verbrachte, haben ihn schnell in die Alltagsroutine zurückgeholt. Durch die Unterstützung der Kollegen und durch sehr viele Elterngespräche hat er die schwierige Zeit des Ausgeschlossenseins überwunden. Die Verabschiedung wurde von den Schulkolleginnen, Schülern und Eltern vorbereitet und gestaltet, er empfand sie als sehr schönen Abschluss seines Schullebens. Lehrerin Gerlinde Zempel führte durch das Programm, gut 100 Gäste folgten den meist sehr lebendigen Reden und kulturellen Einlagen – „For He's a Jolly Good Fellow“ fasste eine Schülergesangsgruppe mit Charme zusammen.
Gewürdigt wurde auch dies: Eberhard Meier verknüpfte seine Schule nicht nur mit dem Stadtteil und der Region, sondern national und international. Als dienstältester Schulleiter der Stadt war er ein „Verwaltungsfuchs“, ein wahrer Meister im Entwerfen von Programmen, im Anträge Stellen auf Förderungen, auf Teilnahme an europaweiten Projekten, auf Auszeichnungen für seine Schule. Beispiele dafür sind das Projekt „Umweltschulen in Europa“, das Comenius-Projekt der Europäischen Union, das Nessi-Projekt von 1998 (Niedersächsische Energiesparschulen), das Sokrates-Programm der EU. „Mehr gestalten als verwalten“ hieß die Devise, unter der Eberhard Meier und seine Konrektorin Friederike Hoff-Elfers ab 2005 den Reformprozess in der Gelben Schule im Sinne des „UN-Dekadenprojekts Bildung für nachhaltige Entwicklung“ auf den Weg brachten.
2007 übernahm die Schule von der Kita Zierenbergstraße den Hort. Am 1. August 2011 wurde die Gelbe Schule zur Offenen Ganztagsschule mit verlässlicher Versorgung der Kinder – einschließlich warmem Mittagessen – bis in den Nachmittag. Die „sportfreundliche Schule“, die Schüler-Firma „Der grüne Moritz“, der ökologische Schulgarten sind weitere Blitzlichter auf die Projekte, in denen mit Rektor Meier die Spielräume erweitert wurden.
„Wege entstehen beim Gehen“ und „Umwege erhöhen die Ortskenntnis“ – das waren typische Sprüche von Rektor Meier, mit denen er die Schwierigkeiten der Reformvorhaben illustrierte – sie bleiben im Gedächtnis. Eine Gruppe Schüler auf dem Nachhauseweg den Berg hinunter, vorbei an Meiers Haustür, grüßt, als sie ihn sieht. Er freut sich darüber. Gern bleibt Eberhard Meier in der Nachbarschaft der Gelben Schule – als Teil des Stadtteil-Netzwerks, das er selbst mitgeschaffen hat.